Leishmaniose und Ernährung

Hausgemachtes Futter bei Leishmaniose

Das Thema purinarme Ernährung macht den Großteil der Zweifel beim Hundehalter eines Leishmaniose-Hundes aus. Es muss prinzipiell nicht immer purinarm gefüttert werden, wenn es dem Hund gut geht und er keine Probleme mit Xanthin-Sedimenten oder Steinen hat. Ist dies der Fall, sollte darauf geachtet werden, dass so wenig wie möglich an Purinen zugeführt wird. Es gibt keine Ober- oder Untergrenze für Purine, deshalb muss dies individuell betrachtet werden.

Prinzipielle Fütterungsgrundregeln

Der Hund ist ein Karnivore, heißt ein Fleischfresser. Wenn man seinen Urvater, den Wolf, anschaut, kann man an dessen Fressgewohnheiten ganz gut sehen, wie der Hund sich in der Wildnis ernähren würde. Der Wolf frisst je nach Ort des Aufenthalts, kleine Säugetiere, Insekten, Fisch etc. Der iberische Wolf z.B. hat laut Professor Rodríguez de la Fuente folgende Futterquellen:

35% große Pflanzenfresser (Mufflons, Hirsch)

24% Schafe

14% Kaninchen

9% Mäuse

7% Aas

5% Reptilien und Vögel

4% Insekten und Kräuter

2% andere Fleischfresser (Fuchs, Haushund)

Sieht man sich dann die Zusammensetzung eines Beutetieres an (z.B. Kaninchen) versteht man die Aufteilung oder Zusammenstellung des hausgemachten Futters besser:

Das Kaninchen besteht aus 48% Muskelfleisch und Fettgewebe, 21.5% sind Fell und Magen- / Darminhalt, 7.5% reine Knochen und 23% Blut und Innereien.

Das Barfen nach Swanie Simon wird mit folgenden Verteilungen angegeben: 80% tierischer Anteil und 20% Obst/Gemüse/Kohlenhydrate. Diese 20% ersetzen den Anteil der Ballaststoffe des eigentlichen Beutetiers wie Fell und Mageninhalt. Die 80% tierischer Anteil unterteilen sich nochmals ins 15-20% fleischige Knochen, dies sind ca. 10% reine Knochen. Fleischige Knochen bestehen idealerweise aus 50% Fleisch und 50% Knochen, so z.B. Karkassen oder Hälse. Die Innereien machen ca. 10-15% des tierischen Anteils aus. Der übrige Rest sollte aus Fleisch und Fett bestehen. Hierbei ist zu sagen, dass Fett die wichtigste Energiequelle des Hundes ist und unbedingt im Fleisch enthalten sein sollte, so wird ein Fettanteil des Muskelfleisches von 15-25% angestrebt. Der 20% vegetarische Anteil sollte aus 75-80% Gemüse bestehen und ca. 20-25% Obst. Wenn Kohlenhydrate gefüttert werden sollen, macht dies ungefähr einen Anteil von 30% aus. Dies sind die Prozentzahlen der idealen Fütterung beim gesunden Hund. Wir werden sehen, dass diese Prozentzahlen bei einer purinarmen Fütterung nicht ganz eingehalten werden können. Wird für den Hund gekocht, muss der Anteil der fleischigen Knochen auf den Anteil Fleisch gerechnet werden und durch Knochenmehl oder einem anderen Kalziumersatz supplementiert werden. Knochen dürfen niemals in gekochtem Zustand gefüttert werden, da sich die Struktur verändert, diese brüchig wird und schlimme innere Verletzungen verursachen kann. Zusätzlich sollte bei einer gekochten Diät Vitamin B zugesetzt werden, da das Fleisch diese im Kochprozess verliert.

Je nach Hund und Aktivität sollten 2-4% des Körpergewichts des Hundes täglich gefüttert werden. Welpen und tragende oder laktierende Hündinnen sollten bis zu 8% ihres Körpergewichtes an Futter erhalten.

Puringehalt von Lebensmitteln

Bei manchen Hunden unter Allopurinol muss teilweise sehr auf die purinarme Ernährung geachtet werden. Zusätzlich sollte noch auf eine oxalathaltige Ernährung verzichtet werden, da Hunde mit Xanthinsteinen leider auch die Tendenz zu Oxalatsteinen haben.

Fleisch und Innereien

Es gibt Fleisch mit höheren Puringehalten und welches mit niedrigerem Gehalt. Prinzipiell ist fettreiches Fleisch purinärmer als mageres Fleisch. Fett enthält so gut wie kein Purin. Fleisch hat kaum Oxalat und braucht daher bei der Oxalatberechnung nicht beachtet werden.

Hühnerfleisch ist im allgemeinen purinarm und sollte ohne Haut gefüttert werden. Die Brust mit Haut hat einen Anteil von 73mg/100g und der Hühnerschenkel mit Haut von 46mg/100g. Hähnchenbrust ohne Haut hat einen Anteil von 50mg/100g. Eier sind dafür fast komplett purin- und oxalatfrei.

Lamm- oder Schaffleisch ist purinärmer und kann gut gefüttert werden. Das Muskelfleisch hat einen durchschnittlichen Puringehalt von 76mg/100g. Hammelfleisch hat einen höheren Anteil und beinhaltet zw. 61 und 81 mg/ 100g.

Ente ist purinärmeres Fleisch, hat im Durchschnitt einen Anteil von 58mg/100g. Hier sollte auch bedacht werden, die Haut zu entfernen.

Kaninchen hat einen durchschnittlichen Puringehalt von 60mg/100g und gehört damit auch zu den nicht so purinreichen Fleischsorten.

Rindfleisch ist teilweise auch arm an Purinen. Rinderfilet hat ca. 46mg/100g, Rinderschulter 46mg/100g, Rinderbrust nur 38mg/100g und Rinderbraten 59mg/100g. Kalbfleisch befindet sich innerhalb                 dieser Werte. 

Truthahn oder Pute ist auch kein purinreiches Fleisch, so hat Putenschnitzel ca. 50mg/100g. Und Truthuhn ca. 63mg/100g.

Wildfleisch hat einen unterschiedlichen Anteil an Purinen, so ist Reh im allgemeinen relativ arm an Purinen mit 44mg/100g. Hirsch hat einen höheren Gehalt mit 67mg/100g. Fasan hat einen Anteil von ca. 62mg/100g.

Gans hat einen etwas höheren Anteil an Purinen, der durchschnittliche Gehalt liegt bei 69mg/100g.

Pferd ist ein purinreiches Fleisch und enthält ca. 83mg/100g.

Schwein sollte nur im kochten Zustand verfüttert werden und hat einen Puringehalt zwischen 48-63mg/100g.

Innereien

Haben einen sehr hohen Anteil an Purinen, so hat Rinderleber einen durchschnittlichen Puringehalt von 231mg/100g. Deswegen wird bei einer purinarmen Ernährung immer geraten Innereien auf ein Minimum zu setzen. Innereien, und vor allem Leber sind aber für den Hund die wichtigste Vitaminquelle, heißt also mit der Reduktion von Innereien reduzieren wir nicht nur Purine, sondern auch wichtige Vitamine, wie Vitamin A. Diese können nicht alle komplett durch Ersatzmittel supplementiert werden, sondern könnten unter Umständen komplett fehlen. Innereien sind im allgemeinen sehr oxalatarm und brauchen daher bei der Berechnung des Oxalatgehaltes nicht beachtet werden.

Fisch

Fisch mit geringem Puringehalt sind: Kabeljau, Zander, Scholle, Hecht und Seezunge. Diese Fische liegen unter 60mg/100g (ohne Haut). Fisch mit mittlerem Puringehalt sind Garnelen, Lachs, Seelachs und Heilbutt, ihr Anteil an Purin ist zwischen 60 und 80mg/100g.

Thunfisch und Sardinen sind sehr purinreich und sollten nicht gefüttert werden, dabei ist es nicht wichtig ob diese frisch oder in Konserve sind.

Fisch hat kaum Oxalat und muss daher bei der Berechnung des Oxalatgehaltes nicht beachtet werden.

Milchprodukte

Im Allgemeinen haben Milchprodukte keine oder kaum Purine und können dadurch gut in der purinarmen Ernährung eingesetzt werden. Schafskäse und Fetakäse haben den höchsten Puringehalt mit 13mg/100g. Milchprodukte wie Jogurt, Frischkäse und Quark können also gut in den Ernährungsplan eines Hundes mit eingebaut werden.

Milchprodukte sind fast oxalatfrei und müssen bei der Berechnung nicht beachtet werden. Soja“milch“produkte haben einen hohen Puringehalt und sollten nicht für den Hund genutzt werden.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate und Getreide haben bis auf ein paar wenige Ausnahmen kaum Purine und werden daher gern für die purinarme Ernährung eingesetzt. Allerdings sollte hierbei beachtet werden, dass Kohlenhydrate in großer Menge Probleme verursachen können. So sind viele Hunde allergisch oder reagieren intolerant auf bestimmte Getreidesorten oder auf Kohlenhydrate im Allgemeinen. Zusätzlich produziert der Hund nicht ansatzweise so viel Amylase (Enzym zur Verdauung der Kohlenhydrate) wie der Mensch und der Körper braucht wesentlich mehr Energie zur Verdauung. Auch belasten zu viele Kohlenhydrate die Bauchspeicheldrüse des Hundes und kann unter Umständen zu körperlichen Beschwerden führen. Kohlenhydrate sollten immer gekocht gegeben werden, niemals roh.

Hülsenfrüchte sind für die purinarme Ernährung nicht geeignet, da sie einen mittleren Gehalt an Purinen haben. So enthalten weiße Bohnen oder Linsen ca. 53mg/100g Purin. Auch Buchweizen enthält bis zu 62mg/100g.

Einige Puringehalte von verschiedenen Getreide- bzw. Kohlenhydratsorten (pro 100g):

Allerdings enthalten einige Getreidesorten, bzw. Kohlenhydrate relativ viel Oxalat und dies sollte bei der Berechnung mit beachtet werden: Amarant, Weizenkleie um einige zu nennen.

Samen und Nüssen enthalten teilweise einen hohen Gehalt an Purinen oder Oxalaten und folgende sollten deshalb nicht genutzt werden: Sonnenblumenkerne (↑ Purin), Mohn (↑ Purin), Mandeln (↑ Oxalat), Wallnüsse (↑ Oxalat), Cashewnüsse (↑ Oxalat).

Gemüse und Obst

Alle pflanzlichen Komponenten sind purinarm und können gut in der Nahrung des Hundes genutzt werden. Allerdings müssen diese für den Hund aufgeschlossen werden, dies heißt, entweder werden sie gekocht / gedünstet oder püriert bzw. klein gerieben. Wird Gemüse im Ganzen gegeben, kann das der Hund nicht verdauen und scheidet diese so wieder aus.

Es gibt einige Gemüsesorten, die sollten beim Hund (egal gesund oder mit Leishmaniose) nicht genutzt werden: Aubergine, grüne oder gelbe Paprika, unreife Tomaten, Quitten, Weintrauben und Zwiebeln.

Einige Gemüsesorten sollten nur gekocht gegeben werden: Kartoffeln, Kohl, Bohnen und Erbsen. Manche Hunde vertragen gedünstetes Gemüse besser, als rohes Gemüse. Dies muss individuell angepasst werden.

Einige Gemüsesorten sind sehr oxalathaltig und diese sollten bei einem Hund mit Blasen- oder Nierensteinen nicht genutzt werden:

  • Spinat
  • Mangold
  • Petersilie
  • Rhabarber
  • Portulak
  • Pfefferminze
  • Sauerampfer
  • Rote Beete
  • Beeren aller Art haben einen mittleren Oxalatgehalt und sollten selten benutzt werden, dass gleiche gilt für Bohnen

Weitere Hinweise

Wichtig ist immer eine gute Qualität des Fleisches. Es sollte kein sehr bindegewebsreiches Fleisch gefüttert werden oder Schlundfleisch, dieses kann unter Umständen vermehrt Schilddrüsenhormone aufweisen und zu einer Überversorgung durch Jod führen. Muskelfleisch mit ausreichend Fett ist von grundlegender Bedeutung.

Ein wichtiger Punkt, der bei der Ernährung nicht unbeachtet werden sollte, ist die gute Qualität des Trinkwassers. Nicht jedes Wasser schmeckt jedem Hund. Aber gerade bei Nieren- oder Blasensteinen sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden. Hier können ungesalzene Brühen, etwas Sahne im Wasser oder auch alkoholfreies Malzbier helfen, den Flüssigkeitsbedarf zu decken. Das Futter sollte allerdings nicht eingeweicht werden, da dies dazu führen kann, dass die Verdauungssäfte zu sehr verdünnt werden und nicht genügend aktiv sein können, damit die Verdauung unproblematisch ablaufen kann. Mit dem frischen Futter erhält der Körper schon Flüssigkeit, zusätzlich sollte während des Tages immer frisches Wasser zur Verfügung stehen. Trinkt der Hund zu wenig (ca. 50ml pro Kilo Körpergewicht sind normal), sollte versucht werden, den Hund mit oben genannten Ratschlägen zum Trinken zu animieren.

Wenn Ihr Fragen zum Thema habt, wir bieten Kurse zum Thema an: https://www.tierisches-wissen.de/leishmaniose-onlinekurs/ oder ihr könnt natürlich gern eine individuelle Ernährungsberatung buchen.

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